Ausflüge, Genießen

Vergessene Gräber im Wald – Ausflug zum Südwestkirchhof

March 25, 2016

Ein grauer Tag in Berlin, der Winter möchte den Frühling noch nicht kommen lassen und schiebt ihn mit grauen, nassen Klauen vor sich her. Ich finde ja immer: Das schreit nach einem Ausflug nach Brandenburg – heute war ich auf dem Südwestkirchhof.

Ja, ich mag Friedhöfe. Manche werden das morbide, vielleicht sogar geschmacklos finden – andere können es verstehen. Es zieht mich wie magisch in einen Bann, meine Augen auf alte, überwucherte Grabsteine zu richten. Mich überrinnt ein wohliger Schauer, wenn die Bäume im Wind knarzen. Ich verweile gerne um mir die Namen, die Inschriften durchzulesen – und darüber zu sinnieren, wer diese Menschen waren und wie sie einst gelebt haben.

Wenn auch du zu diesen Personen zählst und Lust auf einen spannenden Ausflug nach Brandenburg hast, dann ist dieser Artikel für dich.

Während die Toteninsel in Venedig und der Père Lachaise in Paris sich reger Beliebtheit bei Einheimischen wie Touristen erfreuen, bleibt dieser Schatz der Natur und Berliner Geschichte von den Massen noch weitgehend unentdeckt, dabei eignet er sich hervorragend für einen Tagesausflug an.

 

Kurzer Einblick in die Geschichte des Südwestkirchhofes

Berlin, Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts. Die Friedhöfe in der Innenstadt platzten aus allen Nähten, Armut, Hunger und Dreck sorgten für eine geringe Lebenserwartung – dennoch wächst die Bevölkerungszahl Berlins ständig.

Um dem Platzproblem Herr zu werden, kauft die Stadt einige Areale der Gemeinde Stahnsdorf vor den Toren Berlins an, um diese als Bestattungsflächen zu nutzen, und beginnt 1902 mit der Planung des Friedhofs.

1906 wird dieser schließlich eröffnet, dabei findet eine Unterteilung in die einzelnen Stadtbezirke statt. Diese kann jeder Bezirk gärtnerisch und architektonisch selbst gestalten, nur wichtige Merkmale wie Alleen, Sichtachsen und Rondelle werden vorgeplant, um den Friedhof zu einen.

1916 wurde eine eigene Bahnlinie eingerichtet, welche die Station Berlin Wannsee und den Friedhof direkt verband. Schnell wurde der Friedhof nicht nur zu einer zentral angebundenen Begräbnisstätte, sondern auch immer beliebter bei den Berlinern für einen Ausflug nach Brandenburg.

Im zweiten Weltkrieg wurden viele Gräber nach Stahnsdorf verlegt, die in anderen Teilen Berlins der Stadtplanung Albert Speers im Wege standen.

Nach Ende des Krieges wurde die Bahnlinie stillgelegt – der Friedhof befand sich im Grenzgebiet und war somit nur noch schwer für die Menschen aus Westberlin zugänglich. Viele der Gräber und Mausoleen verfielen – was heute zum besonderen Charme dieses Ortes beiträgt.

 

Hinkommen

Was ich besonders am Südwestkirchhof schätze ist seine gute Anbindung an den Nahverkehr. Man fährt ab Potsdam Hauptbahnhof (RE1 oder S7 aus Berlin) mit den Buslinien X1, 601 oder 602 bis Stahnsdorf – Bahnhofstraße. Diese Fahrt dauert insgesamt aus dem Zentrum Berlins ca. 1-1,5 Stunden.

Ungefähr 50 Meter rechts hinter der Haltestelle befindet sich die gut ausgeschilderte Bahnhofstraße, die zum Südwestkirchhof führt.

Über die Öffnungszeiten informierst du dich am besten auf der offiziellen Website des Friedhofs, welche auch weiterführende, spannende Infos und Veranstaltungstermine auflistet.

Auch mit dem Auto ist der Südwestkirchhof gut zu erreichen: Wer aus Berlin über die A115 kommt, fährt an der Ausfahrt Potsdam/Teltow ab und folgt der Straße Richtung Teltow. In Stahnsdorf folgt auf die Bushaltestelle „Bahnhofstraße“ rechts nun die Einfahrt in eben diese.

Nach einigen hundert Metern befindet sich ein Parkplatz – Achtung, an Sonn- und Feiertagen kann dieser recht voll sein, da ja an diesen Tagen vielen der Sinn nach einem Ausflug nach Brandenburg steht – also evtl. das letzte Stück auf der Bahnhofstraße zu Fuß zurücklegen. Der Friedhof ist übrigens der größte Waldfriedhof den es gibt, und der zweitgrößte Europas – er wirkt also auch durch seine schiere Größe nicht überlaufen.

 

Die Erkundung

Kaum trittst du durch das Eingangstor, wird dieser Ort dich in seinen Bann ziehen. Rechts und links führen zahlreiche, kleine Pfade von dem großen Weg ab. Es lohnt sich allerdings, diesem nach Rechts für ein paar hundert Meter zu folgen – hier stehen einige beeindruckende große Gedenkstätten und eine schöne Kapelle im norwegischen Stil.

Zweige hinter der Kapelle vom großen Weg nach rechts ab, und du findest dich in einem verwunschenen Wald wieder, in dem viele alte, durch Wind und Wetter umgekippte und schwer leserliche Grabsteine von Moos und Efeu überwuchert werden.

Verwunschene Treppen führen zu längst versiegten Brunnen, Lichtungen tun sich auf – und bald darauf steht man wieder im tiefen Wald.

Am Eingang des Südwestkirchhofs gibt es kostenlose Lagepläne, die sehr nützlich sein können, denn hier liegen viele berühmte Persönlichkeiten begraben: Heinrich Zille, Werner von Siemens und Friedrich Wilhelm Murnau, der Regisseur von Nosferatu, sind nur einige Namen der Menschen, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden.

Richtig verlaufen kann man sich nicht – der Friedhof wird außerdem immer noch benutzt und es finden regelmäßige Bestattungen statt.

Dennoch macht es Spaß, sich in dem labyrinthischen Park zu verlieren, ihn zu entdecken und auszukundschaften.

Man kann hier gut und gerne einen ganzen Tag verbringen, denn viele Wiesen, Bänke und Unterstände (bei schlechtem Wetter) laden zum Verweilen ein.

 

Was muss mit?

Da wir wie gesagt früh im Jahr da waren, war eine heiße Suppe in der Thermoskanne das nonplusultra. Generell kann man sich gut ein Picknick mitnehmen – wie gesagt, bei diesem Ausflug nach Brandenburg gehen gern mal einige Stunden drauf.

Wenn man etwas abseits der asphaltierten Wege gehen möchte (was man unbedingt tun sollte!!) sind feste Schuhe keine schlechte Idee.

Wasser sollte auch mit, da man hier nichts kaufen kann und das Wasser aus den Hähnen auf dem Friedhof nicht als Trinkwasser gekennzeichnet ist.

Wenn du gerne fotografierst, dann bietet sich hier eine Fülle von fantastischen Motiven an – vergiss also deine Kamera nicht!!

 

Fazit

Wenn du ein spannendes Ziel für einen Tagesausflug von Berlin aus suchst, dann kann ich dir den Südwestkirchhof wirklich empfehlen! Er bietet wirklich viel Spannendes und Schönes.

Jede Jahreszeit verleiht diesem Ort seinen ganz eigenen Charme – ob schneebedeckte Gräber im Winter oder blühende Wiesen im Frühling und Sommer.

Natürlich sollte dieser Ort mit dem Respekt betreten werden, der sich auf jedem Friedhof gehört: Betritt nur die Bereiche, die als Wege vorgesehen sind, mach keinen Lärm, wirf deinen Müll in einen der zahlreichen Mülleimer und nimm Rücksicht auf trauernde Besucher und Bestattungen.

 

Ich hoffe, ich konnte dich mit meinem Artikel für einen Tagesausflug zum Südwestkirchhof begeistern.

Oder warst du schon auf dem Südwestkirchhof und hast weitere tolle Tipps oder eine besondere Entdeckung gemacht? Hast du auch einen Faible für Friedhöfe? Dann hinterlass mir doch einen Kommentar, ich freu mich drauf!

Alles Liebe,

Samira

2 Comments

  • Reply Lea July 17, 2016 at 10:11 pm

    Ein verwunschener, ruhiger Ort genau das richtige, um dem Großstadttrubel für einen Sonntag zu entfliehen. Danke für den Tipp, liebe Samira! Ich freue mich auf mehr! 🙂

    • Reply Samira July 18, 2016 at 2:36 pm

      Danke für das Liebe Kommentar Lea! Keep exploring! xx

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