Feiern & Gastgeben

Warum Gäste das Leben schöner machen

May 14, 2016
Kochen für Gäste

Wir leben in einer schnellen Zeit.

Wir sind vernetzt, kommunizieren – und doch sprechen wir viel zu selten miteinander.

Die Glückwünsche zum Geburtstag werden bei Facebook auf die Pinnwand gepostet (gerne noch mit einem hübschen Bild das man sich aus dem Internet gezogen hat).

Zum Muttertag gibt’s mal einen Anruf – aber sorry Mama, ich hab echt grad keine Zeit um lange zu telefonieren.

Essen und Genuss werden auf online Plattformen aufgebauscht – man denke an die zahlreichen Schnappschüsse von Tellern, die manchmal appetitlich, manchmal grauenhaft aussehen.

Aber genießen wir wirklich, wenn wir erstmal das Smartphone zücken, sobald das Gericht auf dem Tisch steht? Wenn jeder erst mal 5 Minuten damit beschäftig ist, die richtigen Hashtags zu wählen, während das Essen kalt wird? Wenn man zwischendurch immer wieder einen Blick aufs Handy wirft um zu sehen wie das Foto ankommt?

Kurz und gut: Wir Essen, aber wir spüren es nicht. Weder die Zutaten und Qualität, noch die Gesellschaft dabei. Wir sind gefühllose Esser geworden.

Ich meine das Gefühl, das Essen bei uns ausgelöst hat, als wir klein waren. Das Gefühl, wenn unsere Oma uns Fischstäbchen mit Möhren und Kartoffelbrei gemacht hat. Das Gefühl, wenn unsere Eltern uns Grießbrei oder Suppe kochten, wenn wir krank waren. Milchreis mit heißen Kirschen, Kartoffelsuppe – weißt du noch?

Das Gefühl, mit den Händen Walderdbeeren zu pflücken, und sie sich, noch ganz warm von der Sonne, direkt in den Mund zu stecken.

Und anstatt Situationen zu schaffen, in denen dieses Glücksgefühl quasi eingeladen wird, mit uns am Tisch zu sitzen, sagen wir immer häufiger ab, wenn wir eingeladen werden. 

Gäste einladen tun wir auch nicht gerne – zu viel Stress, und die Wohnung ist auch nicht geputzt.

Setzen wir unsere Prioritäten richtig, wenn wir lieber bis 21 Uhr durcharbeiten, anstatt uns mit Freunden im Restaurant zu treffen? Wenn wir lieber gar nicht erst kommen, weil wir keinen Wein trinken wollen – morgen um 9 ist ja das Meeting?

Gesellschaft, Gemeinschaft und Gäste haben werden mehr und mehr zu etwas so punktuellem, dass wir uns manchmal sogar davor drücken – denn wenn man seine Freunde erstmal ein halbes Jahr nicht mehr gesehen hat, fragt man sich schon, ob man sich nun noch so viel zu erzählen hat. Und in dieser Ungewissheit fällt es uns oft leichter, das Handy zu zücken – und mal eben per Whats App abzusagen. Easy. Kennt man.

Wisst ihr was? Ich bin dagegen. Ich finde es erschreckend, schade, ja, es macht mir richtig Angst.

Wo sind die langen Nachmittage, an denen wir mit Freunden auf der Wiese im Park lümmeln, Grillen und schon viel zu früh das erste Bier trinken?

Wo sind die Sonntage, an denen wir mit unseren Eltern am Tisch sitzen, und uns dabei wirklich unterhalten?

Fakt ist: Wir entscheiden selbst. Jedes mal wenn wir lieber auf der Couch oder im Büro bleiben. Jedes mal wenn wir wieder absagen – man sieht sich schon noch oft genug, denken wir dann.

Und das tun wir eben doch nicht.

 

Ich habe irgendwann beschlossen, dass ich darauf keine Lust habe – und einfach wieder angefangen, Gäste zu haben.

Gäste Freunde

Leute zu mir einzuladen, oder in den Park, oder Treffen im Restaurant anzuleiern.

Oft fehlt nämlich dann doch nur eine Person, die das ganze anstößt, die sich darum kümmert, alle zusammen zu trommeln.

Und warum solltest das nicht du sein?

Du vermisst deine Freunde? Lad sie ein!

Du willst mal wieder richtig gut essen? Ruf deine Familie an und kocht zusammen, sie werden sich freuen!

Es braucht wirklich nicht viel Arbeit, um eine wundervolle Zeit mit deinen Liebsten zu haben. Je nachdem, wie viel Zeit du eben investieren möchtest.

Man muss nicht immer selbst kochen – warum nicht einfach ein paar Tapas beim Spanier einkaufen, Käsebrett dazu und Brot – fertig. Schon stehen die Weichen für einen langen Abend für dich und deine Gäste.

Wichtig ist, dass es jemand tut – denn wir brauchen ab und zu einen kleinen Schubser, um wieder zu sehen was wirklich wichtig ist. Und wichtig sind die Leute, die uns einen Rahmen und halt geben – Unsere Freunde, unsere Familie.

Also fackele nicht lange – und lass nicht zu, dass eine so schöne Geste wie das Einladen von Gästen zur anstrengenden Nebensache verkommt.

Es wäre wirklich viel, viel zu schade drum!

Freunde Feiern

4 Comments

  • Reply Eddy May 15, 2016 at 3:08 pm

    schöner und einleuchtender artikel, dass letzte bild überzeugt vollends 😉

    • Reply Samira May 28, 2016 at 12:32 am

      Danke Eddy!

  • Reply Caro November 20, 2016 at 6:06 pm

    Gut zusammen gefasst das Dilemma! Ich frage mich manchmal, ob dieses “Ich sage lieber ab.” ein Berlin-Ding ist. Wir haben in dieser Stadt einfach alles und jeden in Hülle und Fülle. Und theoretisch könnte man sich auch nächste Woche noch treffen und dann aber besser im Restaurant… Kenne ich alles.

    Nächste Woche feiere ich einen runden Geburtstag. Erst war die Idee, eine größere Party in einer Event Location zu organisieren. Dann wurde ein Restaurant-Besuch und “danach zu Hause Ding” draus. Mein Highlight wird dann nicht das Essen sein, aber eine Fotoshow mit Bildern aus den letzten Jahrzehnten. Ich habe bewusst auch Leute eingeladen, die ich länger nicht mehr gesehen habe, die früher aber dabei waren bei all den spontanen und ausgiebigen Abenden und Sonntagen, die du ebenfalls vermisst. Diese Fotos hat teils keiner gesehen bzw. kann sich niemand mehr daran erinnern. Das wird der Hammer und ich freue mich total darauf, Gäste zu haben und sogar auf das Putzen zuvor (vielleicht weniger auf das danach ;-)).

    • Reply Samira November 22, 2016 at 5:36 pm

      Klingt nach einer tollen Idee Caro! Schön, dass du dir die “Arbeit” machst und mit deinen Liebsten feierst, auch wenn es nicht die ganz große Sause wird (manchmal ist das ja auch ganz nett). Das sollten wir alle viel öfter tun!

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